Vorwort zum Thema Fundraising

Grundlagen und Hintergründe

Wenn jemand über Fundraising spricht und dabei nicht über Geld redet, hat er etwas Wesentliches vergessen. Aber wenn jemand beim Fundraising nur über Geld redet, so spricht er ebenso wenig über richtiges Fundraising.

Sie merken bereits, Fundraising ist ein komplexes Thema. Und der Ruf „Wir brauchen einen Sponsor“, wie er in vielen nichtkommerziellen Organisationen angesichts leerer Kassen ertönt, greift als Lösung häufig zu kurz. Dennoch kann geplantes und zielgerichtetes Fundraising auf lange Sicht eine gesicherte Grundlage bereiten.

Spendengelder, Sponsoren oder öffentliche Fördermittel kommen allerdings nicht von alleine. Die Lerneinheit gibt Ihnen Anregungen und praktische Tipps für den Aufbau des strategischen Fundraisings in Ihrer Initiative oder Ihrem Projekt.

Was ist eigentlich Fundraising?

Fundraising ist als Oberbegriff zu verstehen. Der Begriff stammt aus dem Amerikanischen und setzt sich aus dem Substantiv „fund“ (Geld, Kapital) und dem Verb „to raise“ (etwas aufbringen) zusammen. Wörtlich übersetzt bedeutet Fundraising demnach „Mittelbeschaffung“ in Form von Geld- oder Sachleistungen. Inhaltlich umfasst Fundraising jedoch viel mehr: Darunter versteht man die gesamte strategisch ausgelegte Planung, Koordination und Kontrolle einer nichtkommerziellen Organisation zur Beschaffung von privaten bzw. öffentlichen Finanz- oder Sachmitteln.

Die Begriffsbestimmung verdeutlicht: Richtig verstandenes und angewandtes Fundraising ist viel mehr als die Summe einzelner „Geldsammel- Aktivitäten“. Im Gegenteil, beim Fundraising handelt es sich um einen langfristigen, kontinuierlich angelegten Prozess, der planvolles und marketingspezifisches Denken und Handeln verlangt. Doch Fundraising als Marketingprinzip darf nicht missverstanden werden. Denn Ziel ist nicht, den Förderern etwas „zu verkaufen“. In der Wirtschaft geht es um den Tausch von Geld gegen Ware; während es im Fundraising um den Austausch von ideellen und immateriellen Werten geht. Auch geldwerte Vorteile können im Fundraising eine Rolle spielen, aber in erster Linie gilt es, potenzielle Förderer von der eigenen Idee und guten Sache zu begeistern. Die Kunst des Fundraisings ist daher der Aufbau und die Pflege von Beziehungen zwischen einer gemeinnützigen Organisation und ihren Förderern.

Die Vorteile strategischer Planung

Wer nicht weiß, wohin er will, dem ist kein Wind recht.“
Wilhelm von Oranien, holländischer Adliger

„Bisher hat doch auch alles gut geklappt, wieso der Aufwand?“, werden Sie sich vielleicht fragen, oder: „Wir sind doch kein Wirtschaftskonzern!“ – es fällt nicht leicht, sich auf einen strategischen Planungsprozess einzulassen. Vielleicht gibt es auch Widerstände innerhalb Ihrer Initiative oder Sie haben das Gefühl, es gäbe zu viel Schriftkram und zu wenig Aktion. Doch Fundraising ist ein kontinuierlicher Prozess, der systematische Planung und konsequentes Management verlangt.

Diese zielgerichtete Planung unterscheidet „echtes“ Fundraising von gelegentlichem Bitten um Gelder oder dem weihnachtlichen „Bettelbrief an alle, die wir kennen“. Eine durchdachte Strategie ist wie ein roter Faden durch alle Aktivitäten. Planung ist zwar auf den ersten Blick aufwändiger, bietet aber eindeutige Vorteile:

  • Sie setzen sich intensiv mit Ihren Stärken und Schwächen auseinander und gewinnen dadurch an Profil.
  • Sie kennen die Chancen und Risiken Ihres Markts und können so schnell und flexibel agieren, anstatt passiv zu reagieren.
  • Durch rechtzeitige Planung gewinnen Sie Zeit, produzieren keine hektischen Schnellschüsse, vergessen nichts Wesentliches und haben höhere Erfolgsquoten.
  • Sie setzen sich eindeutige, messbare Ziele, die Sie erreichen wollen.
  • Durch Auswertung Ihrer Ergebnisse wissen Sie genau, wann Sie erfolgreich waren.


Danksagung

Wir danken dem Generali Zukunftsfonds für die großzügige Genehmigung für diese Lerneinheit auf den Leitfaden "Erfolgreiches Fundraising für Nonprofit-Organisationen" zurückgreifen zu dürfen.